9. Mai 2018 – Landwirtschaftsexperten aus Kamerun und Tansania auf Hof Grummersort in Oldenburg

Auf die Einladung des ÖZO kommen die Landwirtschaftsexperten Yvonne Takang (ACDIC – Bürgervereinigung zur Verteidigung kollektiver Interessen Kamerun) und Frank Ademba (TANCOFF – Tanzania National Comittee for Family Farming) auf dem Weg zum Katholikentag in Münster am 9. Mai 2018 nach Oldenburg.

Bei strahlendem Sonnenschein besucht die kleine Gruppe um die weitgereisten Gäste den Hof Grummersort. Mit dabei ist Kerstin Lanje, Referentin für Welthandel und Ernährung von Misereor, Inken Oldsen-thor Straten vom Ernährundgrat Oldenburg und die Eine Welt-Promotorin des ÖZO, Canan Barski. Bei der Hofführung mit Marget Zimmermann und anschließender Verköstigung ist zu erleben, wie viel auf dem vergleichsweise kleinen Hof (66 Hektar) passiert: Auf etwa 6 Hektar wächst verschiedenes Gemüse, 28 Kühe geben Milch für etwa 20 verschiedene Milchprodukte, das Getreide reicht für das Backen von 600 bis 700 Broten pro Woche. Leben mit der Natur, Diversität und Wertschöpfung vor Ort, darauf legt die Hofgemeinschaft wert, erzählt Margret Zimmermann. Yvonne Takang stimmt ihr zu „Die Diversität, wie sie hier Teil des Wirtschaftens ist, ist sehr wichtig. Das vermitteln wir auch den Bauern und Bäuerinnen in Kamerun. Und wir kämpfen dafür, dass die Rohstoffe nicht direkt exportiert werden, sondern die Weiterverarbeitung der Produkte in Kamerun passiert“.

Yvonne Takang und Frank Ademba erleben die Auswirkungen der europäischen konventionellen Agrarwirtschaft auf der anderen Seite des Globus` und engagieren sich für sozialverträgliche Hungerbekämpfung:
Als Campagnerin und Aktivistin für nachhaltige Entwicklung mit jahrelanger Erfahrung hat Yvonne Takang mit dem ACDIC erfolgreich Kampagnen zur verantwortungsvollen Regierungsführung und Ernährungssouveränität in der Landwirtschaft und ländlichen Entwicklung in Kamerun durchgeführt.
Mit der Mission die strategische Beteiligung von Familienlandwirten für die nachhaltige Verwirklichung menschlicher und sozioökonomischer Rechte voran zu bringen, arbeitet Frank Ademba mit dem TANCOFF in Tansania auf verschiedenen Ebenen und mit vielen Partnern.
Nach der Hofführung stellt er fest „die Art der Landwirtschaft auf diesem Hof ist sehr ähnlich wie die der Kleinbauern in Tansania, aber die technische Ausstattung unterscheidet sich deutlich.“
Aber etwas ist anders: Hof Grummersort vertreibt ein Viertel seiner Produkte seit 2017 über das Modell der Solidarischen Landwirtschaft (SoLaWi). Es sichert der Hofgemeinschaft die Abnahme eben dieses Viertels der Produkte für ein Jahr. Das gibt den Landwirten Sicherheit und versorgt die Mitglieder der SoLaWi mit saisonalen und regionalen Produkten. So kann der Einfluss des Marktes mit seinen Funktionen von Angebot und Nachfrage und damit einhergehender Produktionsdruck und Überproduktion verhindert werden. Frank Ademba erzählt „auch in Tansania haben wir mit diesen Problemen zu kämpfen. Es gibt beispielsweise in manchen Zeiten so viele Tomaten, dass die Preise sehr niedrig sind und die Bauern keinen Gewinn machen. Wir versuchen darauf zu reagieren, in dem wir die Landwirte beraten, wann sie welches Gemüse anbauen können, um das Angebot und den -zeitraum zu diversifizieren“.

Die Gäste und die Oldenburgerinnen sind sich einig: Nur die bäuerliche Landwirtschaft nutzt die Natur nachhaltig, sichert Existenzen und versorgt die Menschen mit hochwertigen Lebensmitteln – in Kamerun, Tansania und im Oldenburger Land.