Die Geschichte des Fairen Handels

Die ersten Initiativen, die sich für einen fairen Handel stark gemacht haben, kamen Ende der 40er Jahre in den USA in Erscheinung von Wohltätigkeitsorganisationen auf, denen es um verbesserte Bedingungen einzelner Produzentengruppen ging, allerdings weniger um entwicklungspolitische Maßnahmen. Von da an bis heute hat sich eine Menge getan im Fairen Handel, wie wir ihn heute verstehen.

Um gemeinsam einen Beitrag zu Armutsbekämpfung und nachhaltiger Wirtschaftsentwicklung zu leisten, haben sich mehr als 370 Organisationen zur World Fair Trade Organization (WFTO) zusammengeschlossen. Zu den Mitgliedern zählen sowohl Produzenten als auch Importeure und Händler. Sie decken damit die gesamte Wertschöpfungskette des Fairen Handels ab. Alle Mitglieder bekennen sich zu den zehn WFTO-Prinzipien für Fairen Handel:

Arbeitsbedingungen

Das Arbeitsumfeld muss sicher und gesundheitsverträglich sein. Es muss mindestens den lokalen gesetzlichen Anforderungen und den Konventionen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) genügen.

Transparenz und Verantwortlichkeit
Die Geschäftsführung muss transparent und der Umgang mit den Handelspartnern fair und respektvoll sein. Mitglieder, Erzeuger und Angestellte werden in Entscheidungsprozesse der WFTO eingebunden.
Kinder- und Zwangsarbeit
Die WFTO-Mitglieder respektieren die UN-Kinderrechtskonvention. Sie gewährleisten, dass in der Produktion keine Zwangsarbeiter eingesetzt werden.
Faire Preise
Der Preis für die Ware wird zwischen den Handelspartnern gemeinsam festgelegt. Die Bezahlung muss vom Produzenten als fair und sozialverträglich bewertet werden. Die Organisationen des Fairen Handels vermitteln den Produzenten die nötigen Kenntnisse, um den Preis selbstständig aushandeln zu können. Es gilt der Grundsatz: gleiches Geld für gleiche Arbeit.
Geschäftsbeziehungen
Fairer Handel dient nicht der Gewinnmaximierung. Die Geschäftsbeziehungen sollen auf Vertrauen und Solidarität basieren. Waren werden pünktlich und in vereinbarter Qualität geliefert und fristgerecht bezahlt. Die Käufer leisten bei Bedarf Vorauszahlungen, um die Produzenten vor Verschuldung zu bewahren. Mit anderen Organisationen des Fairen Handels wird kooperiert; unlauterer Wettbewerb wird vermieden. Langfristige Lieferbeziehungen und Abnahmeverträge gewährleisten den Produzenten über einen größeren Zeitraum ein sicheres Einkommen.
Diskriminierungsverbot, Gleichstellung der Geschlechter und Vereinigungsfreiheit
Im Fairen Handel gilt, dass niemand aufgrund seines Geschlechts, seiner Herkunft, Religion, politischen Gesinnung oder sexuellen Orientierung oder aufgrund einer Behinderung oder HIV-Infektion benachteiligt werden darf. Frauen werden ermutigt, sich auf freie Stellen und Führungspositionen zu bewerben. Das Recht aller Angestellten und Arbeiter, sich gewerkschaftlich zu organisieren, wird respektiert.
Chancen
Fairer Handel soll Chancen für Produzenten schaffen, die wirtschaftlich benachteiligt sind oder vom bestehenden Handelssystem an den Rand gedrängt worden sind. Fairer Handel ist eine Strategie zur Armutsbekämpfung und Einkommenssicherung und zur Förderung einer nachhaltigen Entwicklung.
Organisationsentwicklung und Personalschulung
Fairer Handel soll vor allem kleine, benachteiligte Produzenten fördern und unabhängiger machen. Er soll helfen, ihre Qualifikation zu verbessern, damit sie sich auf dem Markt behaupten können.
Öffentlichkeitsarbeit
Die Organisationen des Fairen Handels setzen sich öffentlich für einen gerechten Welthandel ein. Sie schaffen ein Bewusstsein für die Ziele des Fairen Handels und versorgen die Verbraucherinnen und Verbraucher mit umfassenden Informationen.
Umweltschutz
Die Herstellung fair gehandelter Produkte soll die Umwelt so wenig wie möglich belasten. Angestrebt werden die nachhaltige Bewirtschaftung der Ressourcen, die Nutzung erneuerbarer Energien, eine weitestgehende Abfallvermeidung und ein geringer Pestizideinsatz. Produkte aus ökologischer Landwirtschaft werden bevorzugt in den Handel aufgenommen.

Warum und Wie fair?

Wir leben in einer Welt, in der die Schere zwischen Arm und Reich immer größer wird. Wo der Mensch hinsieht, geht es um Profite und Gewinnmaximierung, ohne dabei die Konsequenzen zu beachten. Für die Mehrheit der Weltbevölkerung bedeutet dies, eine bittere Pille zu schlucken. Um der massiven Ausbeutung entgegenzutreten, die im gewöhnlichen Handel Gang und Gäbe ist, engagieren sich Organisationen, Weltläden und Einzelpersonen für eine gerechtere Welt, indem sie den Fairen Handel vorantreiben. Die Produzenten, die am Anfang der Lieferkette stehen, erhalten eine faire Bezahlung mit der sie ihren Lebensunterhalt bestreiten und ihre Kinder in die Schule schicken können. Handlungsspielraum und Autonomie wird den Produzenten zuteil. Am Ende der Lieferkette steht der Konsument. Was hat er zu beachten, wenn er den Fairen Handel unterstützen möchte? Zunächst einmal, dass es zwei Wege für fair gehandelte Produkte gibt, die hier kurz geschildert werden sollen.

Weg 1: Unternehmensbezogen

Fair gehandelte Produkte, die in Weltläden, Naturkostläden sowie Online-Shops zu erwerben sind, beziehen ihre Produkte von KleinproduzentInnen, Vermarktungsorganisationen, sozialen Unternehmen und eher selten von Plantagen. Produziert werden die Waren nach WFTO-Standards, sie sind teilweise Fairtrade-zertifiziert, was nicht bedeutet, dass nur ein Teil der Produkte fair gehandelt ist, da die Unternehmen sich bereits an sich dafür verpflichtet haben, fair gehandelte Produkte aufzukaufen und zu vertreiben. Ein wichtiges Kriterium für Importorganisationen ist der Verzicht auf unnötigen Zwischenhandel und es kann davon ausgegangen werden, dass Importeure zu 100 % fair handelnde Unternehmen sind, i.d.R. sind sie vernetzt mit der Fair-Handels-Bewegung, WFTO-Mitglieder und anerkannte Lieferant*innen des Weltladen-Dachverbandes. Der Fair-Handels-Anteil von Produkten muss in Mischprodukten bei über 50 % liegen, es gibt i.d.R. keinen Mengenausgleich und eine physische Rückverfolgbarkeit sowie Produktidentität ist gewährleistet. Die Unternehmen versuchen zudem, Produktbestandteile aus Europa bzw. nördlichen Ländern wie Milch und Getreide nach Fair-Handels- bzw. Nachhaltigkeitsstandards zu beschaffen. Dieser erste Weg für fair gehandelte Produkte schließt neben dem Verkauf engagierte politische Kampagnen- und Bildungsarbeit in sich ein, mit der nicht nur die Verbreitung des gerechten Handels angestrebt, sondern eine Veränderung der Strukturen des Welthandels gefordert wird. Handelsgewinne verbleiben im Fairen Handel und fließen in Kampagnen- oder Bildungsarbeit.

Weg 2 Produktbezogen:

Der zweite Weg, der zu fair gehandelten Waren führt, ist der produktbezogene im Vergleich zum unternehmensbezogenen Weg. Primär vollzieht sich der Vertrieb von fair gehandelten Waren über Supermärkte, Discounter, (ebenfalls) Naturkostläden und Online-Shops. Handelsgewinne verbleiben in den Supermärkten etc. vor Ort. Allerdings finanzieren die Lizenzgebühren, die der produktbezogene Weg beinhaltet, die Kampagnenarbeit für den Fairen Handel. Im Fairen Handel gemäß Fairtrade(-Siegel, siehe unten), werden Waren von Kleinproduzent*innen, Plantagen und Lohnarbeitsbetrieben bezogen, die die Standards von Fairtrade International erfüllen und von FLOCERT GmbH zertifiziert sind. Angestrebt wird ein möglichst kurzer Zwischenhandel, der von den Lizenznehmern individuell geregelt wird. Die Importeure halten sich an die Fairtrade-Händler-Standards für das jeweilige Produkt, d.h. der Importeur muss nicht an sich ein 100 % fair handelndes Unternehmen sein. Die jeweiligen Produkte mit dem Fairtrade-Siegel müssen, handelt es sich um Mischprodukte, einen Fairtrade-Anteil von mindestens 20 % aufweisen. Zudem ist der Mengenausgleich bei Orangensaft, Tee, Zucker und Kakao akzeptabel. Bei diesen Produkten gibt es keine physische, aber eine dokumentarische und finanzielle Rückverfolgbarkeit.