Wir leben in einer Welt, in der die Schere zwischen Arm und Reich immer größer wird. Wo der Mensch hinsieht, geht es um Profite und Gewinnmaximierung, ohne dabei die Konsequenzen zu beachten. Für die Mehrheit der Weltbevölkerung bedeutet dies, eine bittere Pille zu schlucken. Um der massiven Ausbeutung entgegenzutreten, die im gewöhnlichen Handel gang und gäbe ist, engagieren sich Organisationen, Weltläden und Einzelpersonen für eine gerechtere Welt, indem sie den Fairen Handel vorantreiben. Die Produzenten, die am Anfang der Lieferkette stehen, erhalten eine faire Bezahlung mit der sie ihren Lebensunterhalt bestreiten und ihre Kinder in die Schule schicken können. Handlungsspielraum und Autonomie wird den Produzenten zuteil. Am Ende der Lieferkette steht der Konsument. Was hat er zu beachten, wenn er den Fairen Handel unterstützen möchte? Zunächst einmal, dass es zwei Wege für fair gehandelte Produkte gibt, die hier kurz geschildert werden sollen.

Weg 1: Unternehmensbezogen. Fair gehandelte Produkte, die in Weltläden, Naturkostläden sowie Online-Shops zu erwerben sind, beziehen ihre Produkte von Kleinproduzent*innen, Vermarktungsorganisationen, sozialen Unternehmen und eher selten von Plantagen. Produziert werden die Waren nach WFTO-Standards, sie sind teilweise Fairtrade-zertifiziert, was nicht bedeutet, dass nur ein Teil der Produkte fair gehandelt ist, da die Unternehmen sich bereits an sich dafür verpflichtet haben, fair gehandelte Produkte aufzukaufen und zu vertreiben. Ein wichtiges Kriterium für Importorganisationen ist der Verzicht auf unnötigen Zwischenhandel und es kann davon ausgegangen werden, dass Importeure zu 100 % fair handelnde Unternehmen sind, i.d.R. sind sie vernetzt mit der Fair-Handels-Bewegung, WFTO-Mitglieder und anerkannte Lieferant*innen des Weltladen-Dachverbandes. Der Fair-Handels-Anteil von Produkten muss in Mischprodukten bei über 50 % liegen, es gibt i.d.R. keinen Mengenausgleich und eine physische Rückverfolgbarkeit sowie Produktidentität ist gewährleistet. Die Unternehmen versuchen zudem, Produktbestandteile aus Europa bzw. nördlichen Ländern wie Milch und Getreide nach Fair-Handels- bzw. Nachhaltigkeitsstandards zu beschaffen. Dieser erste Weg für fair gehandelte Produkte schließt neben dem Verkauf engagierte politische Kampagnen- und Bildungsarbeit in sich ein, mit der nicht nur die Verbreitung des gerechten Handels angestrebt, sondern eine Veränderung der Strukturen des Welthandels gefordert wird. Handelsgewinne verbleiben im Fairen Handel und fließen in Kampagnen- oder Bildungsarbeit.

Weg 2: Produktbezogen. Der zweite Weg, der zu fair gehandelten Waren führt, ist der produktbezogene im Vergleich zum unternehmensbezogenen Weg. Primär vollzieht sich der Vertrieb von fair gehandelten Waren über Supermärkte, Discounter, (ebenfalls) Naturkostläden und Online-Shops. Handelsgewinne verbleiben in den Supermärkten etc. vor Ort. Allerdings finanzieren die Lizenzgebühren, die der produktbezogene Weg beinhaltet, die Kampagnenarbeit für den Fairen Handel. Im Fairen Handel gemäß Fairtrade(-Siegel, siehe unten), werden Waren von Kleinproduzent*innen, Plantagen und Lohnarbeitsbetrieben bezogen, die die Standards von Fairtrade International erfüllen und von FLOCERT GmbH zertifiziert sind. Angestrebt wird ein möglichst kurzer Zwischenhandel, der von den Lizenznehmern individuell geregelt wird. Die Importeure halten sich an die Fairtrade-Händler-Standards für das jeweilige Produkt, d.h. der Importeur muss nicht an sich ein 100 % fair handelndes Unternehmen sein. Die jeweiligen Produkte mit dem Fairtrade-Siegel müssen, handelt es sich um Mischprodukte, einen Fairtrade-Anteil von mindestens 20 % aufweisen. Zudem ist der Mengenausgleich bei Orangensaft, Tee, Zucker und Kakao akzeptabel. Bei diesen Produkten gibt es keine physische, aber eine dokumentarische und finanzielle Rückverfolgbarkeit.

Anhand dieser Gegenüberstellung ist hoffentlich deutlich geworden, wo die Unterschiede von fair gehandelten Produkten innerhalb der Weltläden und jenen in Supermärkten, Discountern etc. besteht. Insgesamt ergibt sich die Schlussfolgerung, dass Produkte aus den Weltläden einen höheren Standard besitzen als fair gehandelte Produkte in Supermärkten und Discountern.