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Die Welt im Zenit – Am Amazonas entscheidet sich unsere Zukunft
Fr., 29.11.2019 um 19:30 Uhr in der Alten Aula der Universität Oldenburg (angefragt)

Grupo Sal kommt mit Patricia Gualinga, der ecuadrianischen Schlüsselfigur im Kampf für Klimagerechtigkeit und die Rechte Indigener und der Wiener Soziologin Isabella Radhuber nach Oldenburg.

Über den Gast aus Ecuador
„Während andere aufgeben mussten, wird Sarayaku niemals aufgeben“, verkündete Patricia Gualinga, die Sprecherin der indigenen Kichwa-Gemeinde Sarayaku, in einem Gespräch mit Amazon Watch im Jahre 2013. Das kleine Dorf führt seit Langem einen erfolgreichen Kampf gegen das Eindringen in ihr Territorium durch internationale Ölkonzerne für die Gewinnung von Öl, Gas und Mineralien und erlangte so weltweite Bekanntheit.
Patricia Gualinga war seit Beginn an vorderster Front des Konflikts, eine zentrale Figur im Prozess gegen den Staat Ecuador beim Interamerikanischen Gerichtshof für Menschenrechte und starke Führerin einer stetig wachsenden Frauenbewegung zum Schutz des Amazonas-Regenwalds.
Unerschütterlich und mit einer unglaublichen Gelassenheit kämpfte Patricia Gualinga zu Zeiten der Krise und des Wandels.
In ihrer Rolle als Botschafterin war Patricia Gualinga auf der ganzen Welt unterwegs: auf internationalen Veranstaltungen, wie der UN-Konferenz indigener Völker in New York und der Weltklimakonferenz in Paris.

Patricia Gualinga setzt, als langjährige führende Persönlichkeit Sarayakus, den Kampf um das Territorium und ein Leben in Einklang mit der Natur im größeren Kontext der internationalen Bemühungen um eine nachhaltige Zukunft. Die Bewahrung der Traditionen und der reichen kulturellen Identität und der eigene Brückenschlag in die sogenannte Moderne erschaffen einen kreativen Raum für einen unerlässlichen Dialog und Austausch in einer Zeit am Scheideweg. Sie ist dabei Sprecherin ihres Dorfes und auch Vorbild vieler Frauen in der Verteidigung des Regenwalds.
Die Geschichte von Sarayaku fordert auf, die herrschenden zerstörerischen Lebens- und Wirtschaftsweisen radikal in Frage zu stellen. Durch den Dialog mit indigenen Völkern erhalten wir einen Einblick in ein in wohlhabenden Ländern weitgehend verloren gegangenes Verhältnis zwischen Mensch und Natur. Gleichzeitig gibt der Blick auf die indigenen Kulturen Hinweise auf Alternativen und Lösungen auf mögliche Auswege aus der drohenden Katastrophe. Ist es möglich gemeinsame Strategien zur Bewältigung der aktuellen globalen Krisen zu entwickeln? Und wie können dabei auch diejenigen profitieren, die am wenigsten zu diesen Krisen beigetragen haben und doch am stärksten von den Auswirkungen betroffen sind?

Diese Auseinandersetzung ist ein wichtiges Element bei der Suche nach Antworten für unsere Zukunft. Lösungsstrategien, die nur von den Verursachern der Zerstörung kommen, werden allein nicht helfen — selbst wenn sie gut gemeint sind.

Über die Moderatorin und Übersetzerin
Die Moderatorin und Übersetzerin Isabella Radhuber gestaltet durch ihre eigene Perspektive, ihr fundiertes Fachwissen und weitreichenden Erfahrungen das Programm mit. Die Politikwissenschaftlerin geht in ihren Forschungen der Frage nach, wie der aktuelle Umgang mit natürlichen Ressourcen Gesellschaften politisch, ökologisch und ökonomisch formt. Dabei liegt ihr Fokus auf höchst diversen und postkolonialen Gesellschaften in Lateinamerika und Europa. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Staatstransformation, Demokratisierungsprozesse, Plurinationalität, Lateinamerika und Ressourcenpolitik.

Über die Begleitung
Die Musik von Grupo Sal geht weit über die Rolle als begleitende Musik hinaus. Inhaltlich und musikalisch adäquat eingeflochten, wird sie ebenso Hauptbestandteil des Programms. Die künstlerische Herangehensweise ermöglicht einen ungewöhnlich, sinnlichen Zugang zu den Kernaussagen des Programms.
Grupo Sal setzt seit über 30 Jahren entwicklungs- und umweltpolitische Themen erfolgreich musikalisch-künstlerisch um. Gemeinsam mit prominenten Schauspieler*innen, Schriftsteller*innen, Politikern/Aktivisten, Journalis*innen und Theologen hat Grupo Sal zahlreiche musikalische Collagen zu brisanten Themen  entwickelt und damit das Bewusstsein für die Schönheiten, aber auch die Probleme Lateinamerikas über Jahrzehnte hin geschärft. Die Musik von Grupo Sal ragt weit über das bekannte Repertoire lateinamerikanischer Komponisten und Liedermacher hinaus. Inspiriert von indianischen, afrikanischen und europäischen Wurzeln und von den neuesten Entwicklungen multikultureller Szenen der pulsierenden Metropolen, präsentiert
Grupo Sal virtuos und leidenschaftlich eine eigenständige Interpretation lateinamerikanischer Musik.

Über die Sarayaku
Im Amazonasurwald Ecuadors liegt die Gemeinde Sarayaku der indigenen Kichwa. Sie selbst nennen sich das „Volk des Zenits“, ein Begriff, der aus einer uralten Legende herrührt. Die Gemeinde ist weltberühmt und gilt als Symbol des indigenen Widerstands gegen das Eindringen großer Erdölkonzerne in deren Territorium und der Behauptung der Eigenständigkeit zwischen Tradition und Moderne in unserer globalisierten Welt.
Die Gemeinde wurde weltbekannt durch den langjährigen erfolgreichen Kampf gegen internationale Ölkonzerne. Auf höchster internationaler Ebene verklagte das kleine Dorf den Staat Ecuador beim Interamerikanischen Gerichtshof für Menschenrechte im Jahre 2002. Die Regierung von Ecuador hatte das Territorium der Kichwa ohne Rückfrage für die Ölbohrung freigegeben. Die Gemeinde ließ sich nicht einschüchtern und zehn Jahre später gaben die Richter den Dorfbewohnern Recht und die Gemeinde erhielt 1,3 Millionen Dollar Schadensersatz. Mit diesem Geld gründete das Dorf die erste indigene Bank in Ecuador, eine eigene Bildungseinrichtung und sogar eine eigene Fluggesellschaft. Dennoch gelang es der Gemeinde ihren indigenen Lebensstil, der sich im Einklang mit der Natur befindet, zu bewahren. Das Dorf lebt vom Sammeln, Jagen und Fischen und somit ist für die Kichwa das Territorium von zentraler Wichtigkeit, da es die Lebensgrundlage der Gemeinde bildet. Die Zerstörung des Regenwalds würde das Ende der Gemeinde bedeuten. Die Beziehung zu „Mutter Natur“ ist somit nicht einfach nur ein abstraktes Konzept oder eine Metapher, sondern etwas Alltägliches, eine gelebte Realität.