Ernteanteil Hof Grummersort

Rastede, 12. und 13. Januar 2018

Wie wird eine Solidarische Landwirtschaft (SoLaWi) gegründet? Welche rechtlichen und finanziellen Voraussetzungen sind notwendig und wie sieht eine erfolgreiche Öffentlichkeitsarbeit aus? Mit diesen Fragen setzten sich die Teilnehmer beim Seminar zur Solidarischen Landwirtschaft im Bildungshaus Rastede am letzten Wochenende auseinander. Sowohl Landwirte und Auszubildende als auch Interessierte, die sich an der Gründung einer SoLaWi beteiligen wollen haben sich in drei unterschiedlichen Workshops intensiv mit diesen Fragen auseinandergesetzt.

Die Solidarische Landwirtschaft gilt als eine Form des Wirtschaftens, die es auch kleinen Erzeugern ermöglicht auf einem globalen Lebensmittelmarkt zu bestehen und so die regionale Lebensmitteproduktion zu fördern. Das wichtigste Element der SoLaWi ist der Zusammenschluss eines Erzeugers mit einem festen Kreis an Verbrauchern, die ihm zu Beginn einer Saison einen finanziellen Beitrag zusichern, mit dem er das Jahr über seine Landwirtschaft betreiben kann. Im Gegenzug erhalten die Mitglieder regelmäßig die Erzeugnisse des Hofes. Für den Landwirt geht damit eine Planungs- und Finanzierungssicherheit einher, denn seine Finanzen und die Abnahme seiner Lebensmittel sind garantiert. Ernteeinbußen werden zudem auf allen Schultern verteilt und treffen nicht nur den Landwirt allein. Auf vielen SoLaWi Höfen ist zudem Mitarbeit gefragt. Die Mitglieder der Hofgemeinschaft freuen sich über die Möglichkeit bei der Produktion ihres eigenen Gemüses mit anzupacken. „Man zahlt nicht für das Gemüse, sondern für den Erhalt der Vielfalt“ sagt Tobias Hartkemeyer, Landwirt auf dem Hof Pente, einer Solidarischen Landwirtschaft in Bramsche, bei Osnabrück. Er war Referent am Samstag und hat mit den Teilnehmern des Seminars sein Wissen zu den rechtlichen und finanziellen Herausforderungen geteilt. Sein Hof ist schon lange kein reiner Gemüsehof mehr. Ein umfangreiches pädagogisches Konzept bereichert das Leben auf dem Hof. Neben dem bestehenden Kindergarten soll nun auch eine Schule gegründet werden. Gerrit Jansen und Stephanie Wild vom Netzwerk Solidarische Landwirtschaft referierten zu Gründungsvoraussetzungen und Öffentlichkeitsarbeit. Ihr Netzwerk ist eine geeignete Anlaufstelle für alle Initiativen, die eine SoLaWi gründen möchten.

Auch in Oldenburg hat sich im letzten Jahr eine Solidarische Landwirtschaft gegründet. Drei Jungbauern aus der Gemeinde Hude gehen seit Anfang Mai einen neuen Weg, um ihren kleinen Biohof am Rande des Wittemoors zukunftsfähig zu gestalten. Eike Frahm, Landwirt auf dem Hof Grummersort berichtete am Freitag von der Arbeit auf dem Hof und den Kontakt zu seinen Mitgliedern. Der kleine vielfältige Hof produziert in der Gärtnerei ein abwechslungsreiches Sortiment an Gemüse und verarbeitet in der Hofmolkerei die Milch der 28 Kühe zu Käse, Quark und Joghurt. Roggen und Weizen aus eigenem Anbau werden in der Bäckerei auf dem Hof zu unterschiedlichen Brotsorten verbacken. Die erzeugten Lebensmittel werden derzeit an drei Abholstationen in der Stadt verteilt, wo sich die Mitglieder ihre Anteile abholen. Wenn Sie Interesse an einem Ernteanteil ab April 2018 haben oder mit ihren Nachbarn ein neues Depot gründen wollen, schreiben sie eine Nachricht an kontakt@solawi-oldenburg.de oder besuchen sie den Hof an einem Freitagnachmittag ab 15:00 Uhr.

Organisiert und finanziert wurde das Wochenende von Désirée Diering, Ökumenisches Zentrum Oldenburg, von Manual Nagel, Stiftung Ökologie & Landbau, von Swen Engel, Ev. Bildungshaus Rastede und dem Kompetenzzentrum Ökolandbau Niedersachsen.